Page 7 - Tradition, Ambition, Innovation
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 Die Wieselburger Brauerei im
Markt (an der Hauptstraße) ca. um 1900. Das Unternehmen war so erfolgreich, dass es um 1912 in eine Aktiengesellschaft umge- wandelt werden konnte. In der Fol- ge wurden mehrere Kleinbrauerei- en in der Umgebung übernommen.
Die Jahrzehnte der historischen Expansion der
Wieselburger Brauerei überschneiden sich zeitlich mit dem Aufkommen von Biergläsern. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Bier nämlich aus Steinkrügen getrunken (siehe auch unteres Bild des nostalgischen Krugs mit einem Portrait von Caspar Bartenstein.)
des Betriebs von Göpelwerk auf Dampfkraft. Die Aus- weitung der Produktion brachte auch bauliche Erfordernis- se mit sich. Die im Wieselburger Markt an der Hauptstraße gelegene Liegenschaft, deren Ausmaß bis dato jedoch kaum größer als ein Vierkanthof gewesen war, verfüg- te nun als Kennzeichen des industriellen Fortschritts über einen 40 Meter hohen Schlot und einen 19 Meter langen Werkstättentrakt. Darin arbeiteten Tischler, Zim- merer, Wagner, Schmiede und Schlosser. Um die Raum- temperatur auch im Winter erträglich zu gestalten, ließ Bartenstein eine ‘Feuerung‘ in das Gebäude einbauen.
Erforderliche Erweiterung
Für ein weiteres Wachstum des Unternehmens reich- te der dortige Platz jedoch nicht mehr aus. Für die Lagerung und Abfüllung wurde ein zweiter Stand- ort notwendig, den Bartenstein in einem nahe ge- legenen Grundstück am Fuße des Kellerberges im Ortsteil Au fand. Neben der Lagerhalle wurde dort auch ein Eiskeller gebaut, dazu kamen zwei Eistei- che, eine Fasswäscherei und eine Picherei, in der die Fässer mit Pech abgedichtet wurden. Der neue Trakt am Kellerberg wie auch die Brauerei im Markt
waren durch einen Schienenstrang mit dem Bahnhof verbunden. Von hier wurden die Wagons mit Och- sen in die beiden Brauereien gezogen. Mittels einer Drehscheibe konnten die Wagons gedreht werden. Elektrizität kam für diesen Vorgang damals noch nicht zur Anwendung, obwohl zumindest theoretisch die Möglichkeit dazu bestanden hätte. Im Zuge der Modernisierungsmaßnahmen ließ Brauherr Barten- stein nämlich auch ein E-Werk an der Großen Erlauf errichten.
Umwandlung in AG
Noch bevor Caspar Bartenstein zwei Jahre vor Aus- bruchs des Ersten Weltkriegs starb, führte er das Un- ternehmen in eine Aktiengesellschaft über. Mit dem frischen Kapital kaufte er kleine Biermarken aus der Umgebung auf. Die kontinuierliche Eingliederung di- verser Braustätten zwischen Krems und Steyr konnte trotz ökonomisch turbulenter Zeiten auch sein Sohn Kaspar nach dem Tod des Vaters fortsetzen. Mit dieser wirtschaftlich erstarkten Position trat man im Jahr 1925 auch als Gründungsmitglied der Brau AG, der Vorgän- gerin der heutigen Brau Union Österreich, auf.
S tyles 35 MAGAZINE
Foto: Waltraud Ebner
Foto:Tom Euscher






















































































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